Ziel und Zweck des Verfahrens:
Sammlung von Ideen zur Frage, wie Bürgerbeteiligung in der Gemeinde in Zukunft aussehen soll
Überblick über das Verfahren:
Wie soll Bürgerbeteiligung in einer Gemeinde funktionieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des ersten Bürgerrates in Weissach im Tal. Das Beteiligungsformat, das im Oktober 2012 erstmals durchgeführt wurde, sollte neue Wege aufzeigen, wie Bürgerinnen und Bürger, Gemeinderat und Verwaltung miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam an der Entwicklung der Gemeinde arbeiten können.
Weissach im Tal hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange Tradition der Bürgerbeteiligung. Seit 1997 wurden im Rahmen der Lokalen Agenda 21 Bürgerinnen und Bürger in Arbeitskreisen und Projektgruppen aktiv. Mehr als 100 Menschen hatten sich über Jahre hinweg an unterschiedlichen Projekten beteiligt. Diese Erfahrungen flossen später auch in den Gemeindeentwicklungsplan „Weissach 2020“ ein.
Ein ungewöhnliches Beteiligungsformat
Für den Bürgerrat wurden 300 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde zufällig angeschrieben. Das Interesse war groß: 73 Menschen erklärten sich bereit, an dem Workshop teilzunehmen. Wegen der begrenzten Arbeitsstruktur wurden schließlich 20 Personen ausgelost. Am eigentlichen Workshop am 26. und 27. Oktober 2012 nahmen 15 Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 15 und 71 Jahren teil.
Moderiert wurde der eineinhalbtägige Prozess extern. Bürgermeister und Verwaltung nahmen an den Beratungen selbst nicht teil – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten ihre Gedanken zunächst unabhängig entwickeln können.
Die zentrale Frage lautete: „Wie soll Bürgerbeteiligung in der Gemeinde in Zukunft aussehen?“
Vom anfänglichen Zweifel zu konkreten Ideen
Es entstanden zahlreiche konkrete Vorschläge. Sie reichten von einem gemeinsamen Treffpunkt für Jung und Alt über bessere Verkehrslösungen und zusätzliche Bushaltestellen bis hin zu einem „Haus der Jugend“, Patenschaften für öffentliche Einrichtungen und einer besseren Präsentation der Freizeitangebote. Auch ganz praktische Themen wie Barrierefreiheit, Parkzeiten oder die Gestaltung von Bushaltestellen wurden angesprochen.
Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging es dabei nicht ausschließlich um einzelne Sachthemen. Ein wesentlicher Teil der Diskussion beschäftigte sich mit der grundsätzlichen Frage, wie Politik und Bürgerschaft besser miteinander kommunizieren können.
Transparenz als Schlüssel
Ein zentrales Ergebnis des Bürgerrates war deshalb der Wunsch nach einem besseren Informationsfluss. Die Gemeinde sollte die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig informieren – möglichst bevor wichtige Entscheidungen im Gemeinderat getroffen werden.
Vorgeschlagen wurden unter anderem Informationen über die Internetseite, das Mitteilungsblatt, Newsletter, Bürgerbriefe, soziale Netzwerke und öffentliche Informationsveranstaltungen. Besonders wichtig erschien den Bürgerrat-Mitgliedern eine transparente Rückmeldung: Wer einen Vorschlag macht, möchte auch erfahren, was daraus geworden ist.
Bürgercafé öffnet die Diskussion
Die Ergebnisse des Workshops blieben nicht im kleinen Kreis. Am 8. November 2012 wurden sie beim Bürgercafé im Bürgerhaus Unterweissach öffentlich vorgestellt. Anschließend konnten die Besucherinnen und Besucher die Vorschläge diskutieren und priorisieren.
Dabei wurden unter anderem ein offenes Bücherregal, ein Bürgergarten, ein regelmäßiger Stammtisch zwischen Bürgerschaft, Gemeinderat und Verwaltung sowie ein Newsletter beziehungsweise Infobrief angeregt. Auch eine transparentere Darstellung des Standes kommunaler Projekte wurde erneut hervorgehoben.
Besonders deutlich wurde dabei der Wunsch nach einer Schnittstelle zwischen Bürgerschaft und Kommunalpolitik. Ein regelmäßig tagender Bürgerrat oder Bürgerstammtisch könnte diese Funktion übernehmen.
Der Gemeinderat fasste schließlich einen Grundsatzbeschluss, wonach die Ideen weiterverfolgt und einzelne Punkte entscheidungsreif vorgelegt werden sollten.
Bürgerbeteiligung als Teil der Gemeindekultur
Der Bürgerrat von 2012 war kein isoliertes Experiment. Er knüpfte an eine bereits etablierte Beteiligungskultur in Weissach im Tal an. Die Gemeinde hatte mit der Lokalen Agenda 21, dem Gemeindeentwicklungsplan und verschiedenen Arbeitskreisen bereits Erfahrungen darin gesammelt, Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung kommunaler Projekte einzubeziehen.
Diese Tradition setzte sich später fort. Auch bei der Fortschreibung des Gemeindeentwicklungsplans wurden Bürgerinnen und Bürger aktiv einbezogen. Im Rahmen des Prozesses „Weissach 2040“ wurden unter anderem Themen wie demografische Entwicklung, Wohnen, Städtebau und die Identität der Gemeinde diskutiert. Die Ergebnisse der Beteiligung flossen in die weitere strategische Entwicklung ein.
Auch bei konkreten Projekten setzt die Gemeinde auf Beteiligungsformate. So fand beispielsweise 2025 ein Bürgerworkshop zur Weiterentwicklung des Bebauungsplans „Käfig“ in Cottenweiler statt. Die dabei eingebrachten Ideen, Wünsche und Kritikpunkte wurden anschließend dokumentiert.
Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
Bürgercafé
Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
keine Angabe