Ziel und Zweck des Verfahrens:
Entwicklung von Empfehlungen zur Nutzung des Glockenhauses
Überblick über das Verfahren:
In Lüneburg hat ein Bürgerrat 2024 über die zukünftige Nutzung des Glockenhauses beraten.
Das Glockenhaus wurde in den Jahren 1482/83 als „Bussenhaus“ erbaut. Dieses Zeughaus mit seinen wuchtigen Mauern diente zur Aufbewahrung und Herstellung der zahlreichen Waffen und Kriegsgeräte, die die Salz- und Hansestadt brauchte, um sein wertvolles Handelsgut zu schützen. Da auf dem Hof auch Glocken gegossen wurden, bekam es den Namen „Glockenhaus“. Der Zweckbau misst insgesamt 13 m in der Breite und 40 m in der Länge. In Friedenszeiten wurden die drei Vollgeschosse und vier Dachböden auch als Korn- und Mehlspeicher genutzt. Heute dient das Glockenhaus als Veranstaltungs- und Tagungsort.
Ende November 2023 wurden 600 zufällig geloste Personen eingeladen, beim Bürgerrat mitzumachen. Die Frist für die Rückmeldung endete am 7. Januar 2024. Da es mehr Zusagen als Plätze im Bürgerrat gab, wurden aus allen Antworten 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt. Ziel war es, „Lüneburg in klein“ abzubilden.
Der Bürgerrat zur zukünftigen Nutzung des Glockenhauses traf sich am 17. Februar, 3. März und 23. März 2024. Die Treffen waren nicht öffentlich.
Zu Beginn des ersten und beim zweiten Treffen des Bürgerrates wurden erste Ideen für Empfehlungen an den Lüneburger Stadtrat erarbeitet. Diese wurden beim Abschlusstreffen ausformuliert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen am 23. März 2024 nicht dabei waren, hatten anschließend noch zwei Wochen die Möglichkeit, online über die erarbeiteten Empfehlungen abzustimmen.
Empfehlungen
Der Bürgerrat empfiehlt die Erstellung eines vollumfänglichen Sanierungskonzepts für das gesamte Glockenhaus. Weiterhin vorgeschlagen wurde die Einrichtung einer projektbezogenen “Koordinationsstelle Glockenhaus” mit Kompetenzen und Befugnissen zur Umsetzung der Empfehlungen des Bürgerrates.
Der Bürgerrat empfiehlt der Stadt außerdem die Ausweitung der bestehenden Öffentlichkeitsarbeit für das Glockenhaus. Ziel ist die Veränderung des Marketingansatzes zur Steigerung der Bekanntheit, um Informationen und Werbung über das Haus zu verbreiten sowie Vernetzungen und Nutzung leichter zu ermöglichen.
Das Glockenhaus soll wiederereröffnet werden, um es für eine kurzfristige Nutzung zugänglich zu machen. Auch soll das Glockenhaus für Vereine geöffnet und zeitnah der Öffentlichkeit für kulturelle Angebote zur Verfügung gestellt werden.
Übergabe und Umsetzung
Die Empfehlungen der Bürgerrat-Mitglieder wurden dem Rat der Hansestadt Lüneburg in seiner Sitzung am 30. Mai 2024 übergeben. Anschließend wurden sie in Fachausschüssen beraten.
Zu den Empfehlungen aus dem Bürgergutachten gehörte, das Glockenhaus kurzfristig wieder zu öffnen und kulturell zu nutzen. Dies geschieht zum Beispiel seit September 2024 durch den Luna Music Club.
Für die Revitalisierung des Saals im Glockenhaus ist ein Förderantrag in Vorbereitung. Die Steuerungsgruppe Resiliente Innenstadt Lüneburg hat den Antrag befürwortet. Jetzt muss die NBank ihn prüfen.
Evaluation
Ein Evaluationsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass der Bürgerrat zum Glockenhaus in Lüneburg das Potenzial für eine Verbesserung der demokratischen Qualität der Gesellschaft im Kleinen veranschaulicht. Besonders hervorzuheben seien die persönlichen Auswirkungen auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie ein gesteigertes Verständnis von politischen Prozessen und Institutionen und eine positive Deliberationserfahrung. Die für einen Bürgerrat typische Losauswahl stelle eine gelungene Möglichkeit der diversen und fairen Beteiligung dar.
Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
keine Angabe
Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
Um zu klären, ob Bürgerräte in Lüneburg eingeführt werden, wurde eine interfraktionelle Arbeitsgruppe gegründet. Diese schlug vor, einen ersten Bürgerrat als Testlauf durchzuführen und zu evaluieren. Der Vorschlag wurde vom Rat der Hansestadt im November 2023 beschlossen. Die Evaluation erfolgte in Zusammenarbeit mit einem Seminar an der Leuphana Universität Lüneburg. Auf Basis der Ergebnisse wurde das Konzept für Bürgerräte in Lüneburg finalisiert. Am 19. September 2024 hatte der Stadtrat entschieden, dass der Bürgerrat künftig einmal jährlich tagen soll.