Die Debatte um die Zukunft des Tempelhofer Feldes nimmt Fahrt auf. Während der Regierende Bürgermeister Kai Wegner einen neuen Volksentscheid befürwortet, hält Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler dies für nicht notwendig. Er verweist auf die Möglichkeit, das bestehende Gesetz parlamentarisch zu ändern.
Das großflächige Tempelhofer Feld mit vielen Menschen die dort Freizeitaktivitäten vornehmen und großen Grünsflächen.

Das Tempelhofer Feld steht seit Jahren im Zentrum politischer und gesellschaftlicher Debatten. Während Teile der Politik eine Randbebauung fordern, um neuen Wohnraum zu schaffen, verweisen Initiativen auf den Volksentscheid von 2014, bei dem sich eine Mehrheit der Berliner Bevölkerung klar gegen eine Bebauung ausgesprochen hat. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Seit dem Volksentscheid von 2014 ist die Randbebauung des Tempelhofer Feldes gesetzlich ausgeschlossen. Das Tempelhofer-Feld-Gesetz (ThFG) schützt die Fläche des ehemaligen Flughafens vor baulichen Eingriffen. Dennoch bleibt das 350 Hektar große Areal Gegenstand intensiver politischer Diskussionen. Angesichts des Wohnungsmangels in Berlin sprechen sich Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien für eine Neubewertung aus.

Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) schlug vor, die Berliner Bevölkerung im Jahr 2026 erneut abstimmen zu lassen. Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) hält dies nicht für erforderlich. Er erklärte, Gesetze könnten jederzeit vom Abgeordnetenhaus geändert werden, in zwei Lesungen und ohne neuen Volksentscheid.

Gesetzesänderung als Option: Gaebler fordert politische Entscheidung über Nutzung des Tempelhofer Feldes

Gaebler betonte gegenüber der Berliner Morgenpost, das Gesetz sei in allen Ehren, könne aber bei Bedarf angepasst werden. Er verwies darauf, dass eine politische Entscheidung notwendig sei, um über mögliche Veränderungen zu diskutieren. Dabei gehe es nicht nur um die Frage einer Randbebauung, sondern um alle denkbaren Eingriffe, von neuen Sportflächen bis zu klimagerechten Anpassungen. 

Nach Ansicht des Senators lasse sich eine Randbebauung realisieren, ohne dass die Feldnutzung massiv eingeschränkt werde. Es gehe darum, wie die große landeseigene Fläche mitten in der Stadt künftig produktiv für Wohnen, Infrastruktur und Klimaanpassung genutzt werden könne.

Dialogwerkstatt und Ideenwettbewerb: Kontroverse Kritik, aber neue Vorschläge für die Entwicklung des Feldes

Im Rahmen einer Dialogwerkstatt waren von 2024 bis 2025 Ideen für die Zukunft des Feldes gesammelt worden. Naturschutzverbände und Initiativen kritisierten das Verfahren als einseitig. Gaebler wies diese Vorwürfe zurück. Er sagte, die Werkstatt sei nicht über Pro oder Contra Bebauung, sondern über Entwicklungsmöglichkeiten geführt worden, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Sechs Siegerentwürfe aus einem anschließenden Wettbewerb hätten gezeigt, wie man das Feld in verschiedene Richtungen weiterentwickeln könne. Auch ohne Randbebauung gebe es Potenzial, etwa für mehr Schattenplätze oder neue Aufenthaltsbereiche.

Debatte um das Tempelhofer Feld: Kleine Anpassungen stoßen laut Gaebler auf Widerstand

Gaebler erinnerte daran, dass selbst kleine Veränderungen in der Vergangenheit auf Widerstand stießen. So sei der Bau neuer Toiletten oder die Pflanzung von Bäumen nur schwer durchzusetzen gewesen. Er sprach von einer „ideologischen Verbohrtheit“, die verhindere, dass notwendige Anpassungen auf der Fläche möglich seien.

Für ihn müsse das Abgeordnetenhaus klären, unter welchen Bedingungen eine Änderung des Gesetzes erfolgen könne. Die zuständige Senatsverwaltung müsse anschließend einen Gesetzentwurf vorlegen.

Langfristige Perspektive: Tempelhofer Feld als mögliche Reservefläche im Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040

Der Senator betonte, es gehe nicht darum, sofort mit dem Wohnungsbau zu beginnen. Vielmehr müsse diskutiert werden, wie das Tempelhofer Feld langfristig als Reservefläche in die Stadtplanung einbezogen werde. Denkbar sei die Nutzung für den Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040.

Gaebler verwies darauf, dass Berlin bis 2040 zwar Potenzialflächen für 222.000 Wohnungen identifiziert habe, viele davon jedoch nicht konkret planungsreif seien. Auch deshalb sei eine offene Debatte über die Zukunft des Tempelhofer Feldes seiner Ansicht nach notwendig.

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berliner Morgenpost