Kommentar Urform der Beteiligung in Wuppertal

Meinung | Wuppertal · Wuppertaler können sich für einen Platz im Beirat Bürgerbeteiligung bewerben. Warum dieses Gremium nicht unterschätzt werden sollte.

[email protected]

Foto: WZ/Alina Komorek

Wenn sich 50 Menschen in einer Stadt mit rund 360 000 Einwohnern für ein Bürger-Beteiligungsgremium bewerben, dann ist das erst einmal nicht berauschend. Es ist aber auch nicht so schlecht, dass man an der Sinnhaftigkeit des Beirats insgesamt zweifeln muss. Es sind zwar im Schnitt nur vier bis sechs Sitzungen im Jahr, zu denen die Mitglieder zusammentreten. Aber es stellt eben doch eine zeitliche Verpflichtung dar, die viele Menschen nicht eingehen wollen – die man allerdings auch nicht leichtfertig eingehen sollte. Schließlich soll der Beirat nicht als Alibiveranstaltung verstanden werden, sondern als eines von mehreren Formaten der Teilhabe und Mitsprache in Wuppertal, wie es sie so nicht unbedingt in jeder Stadt gibt.

Er ist das genaue Gegenkonzept zu den Blasen in den Sozialen Medien, in denen Gleichgesinnte sich heute gerne tummeln, und ein Kontrollorgan gegen Hinterzimmerpolitik. Das müsste eigentlich all jenen zusagen, die gerne schimpfen, dass die Bürger nicht genug an den politischen Prozessen teilhaben dürfen. Darunter dürften indes nicht wenige sein, die der ureigensten Form der Bürgerbeteiligung in unserer Demokratie nicht nachkommen. Eine Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent zuletzt wieder bei der Kommunalwahl ist ein trauriger Beleg dafür, wie wenig das Wahlrecht vielen Menschen wert ist.

(br)