Schon im vergangenen Jahr hatte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) in Erkelenz einen Bürgerrat für das Rheinische Revier angekündigt. In diesem Jahr soll die Idee in die Tat umgesetzt werden. Wie die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) ankündigt, werden nun 100 Personen gesucht, die den Bürgerrat besetzen sollen.
Der Bürgerrat soll an drei Sitzungswochenenden im Mai, Juni und Juli 2026 zusammenkommen und Handlungsempfehlungen an die Politik erarbeiten. Die Landesregierung prüft und bewertet die Handlungsempfehlungen und entscheidet danach, ob beziehungsweise wie diese Empfehlungen umgesetzt werden können. Damit will die schwarz-grüne Landesregierung das Mitspracherecht der betroffenen Menschen im Kohlerevier erhöhen. Auf einer Konferenz des Netzwerks „Revier wird Region“, das sich aus Akteuren wie Kirchengruppen, Umweltverbänden und Gewerkschaften gegründet hat, hatte Neubaur die Pläne im September vorgestellt. Von den 100 anwesenden Teilnehmern gab es dafür Lob. Der Tenor: Der Bürgerbeirat könne eine tolle Sache werden – wenn die Ergebnisse dann auch wirklich von der Politik ernst genommen und umgesetzt werden.
Der Bürgerbeirat soll „die Vielfalt der Bevölkerung im Rheinischen Revier bestmöglich abbilden“, teilt die ZRR mit. Grundlage sei ein Losverfahren auf Basis des Einwohnermelderegisters. „Dazu erhalten jetzt rund 7000 Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Revier einen Brief und werden gebeten, sich für den Bürgerrat zu bewerben“, heißt es. Nach Merkmalen wie Alter, Bildungsgrad, Geschlecht und räumlicher Verteilung im Revier erfolgt dann in einem Auswahlverfahren.
Mona Neubaur wirbt für den neuen Rat: „Strukturwandel betrifft den Alltag der Menschen im Rheinischen Revier. Deshalb sollen Bürgerinnen und Bürger beim Bürgerrat konkret mitarbeiten und ihre Erfahrungen einbringen. Die Empfehlungen fließen in die Entscheidungen der Landesregierung ein. So wird Beteiligung verbindlich und nachvollziehbar – wir entscheiden nicht über die Köpfe der Menschen hinweg, sondern mit ihnen.“
Für ZRR-Geschäftsführer Bodo Middeldorf sei der neue Bürgerrat „ein elementarer Bestandteil des Strukturwandelprozesses“. Er findet: „Mit dem Bürgerrat im Rheinischen Revier gehen wir weit über normale Formen der Bürgerbeteiligung hinaus. Er eröffnet eine völlig neue Dimension regionaler Partizipation.“
Die konkrete Fragestellung, mit der sich der Bürgerrat befasst, leitet sich aus dem „Ziel- und Meilensteinplan Rheinisches Revier“ der Landesregierung ab. Sie wird von einer paritätisch besetzten Vorbereitungsgruppe im ersten Quartal 2026 entschieden. Wichtige Themen dürften aber die künftige Ausgestaltung von Industrie- und Gewerbeflächen, die Transformation der Tagebaulandschaft und die touristische Entwicklung der Region sein.