Bürgerrat soll Rheinisches Revier mitgestalten

Wer sich am Strukturwandel in der Region aktiv beteiligen möchte, sollte in den kommenden Tagen genau in seinen Briefkasten schauen. Das Bewerbungsverfahren für den Bürgerrat hat begonnen. Hundert Personen können dabei sein.

Die Tage der Braunkohle-Förderung sind gezählt im Rheinischen Revier. Wie das, was danach kommt, aussieht, darüber sollen auch die Menschen in der Region mitentscheiden können. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Briefe sind unterwegs. 7000 Stück. Vielleicht landen die ersten heute schon in Erkelenzer Briefkästen. Die Umschläge sind in einem ansprechenden Beige innen und außen gehalten und im Fenster ist ganz deutlich der Absender zu lesen: das Rheinische Revier. Wer einen solchen Umschlag erhält, ist eingeladen, sich für einen Platz im Bürgerrat des Rheinischen Reviers zu bewerben. Aber was ist der Bürgerrat? Was sind die Ziele und warum sollten Bürger und Bürgerinnen sich beteiligen? Hier finden Sie einige Fragen und Antworten:

Was ist ein Bürgerrat?
Bürgerräte sind Versammlungen von per Los zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, die ein vorgegebenes Thema diskutieren. Die Bürgerinnen und Bürger erarbeiten Handlungsempfehlungen, die sie an die Politik übergeben. Bürgerräte sollen die Vielfalt der Bevölkerung abbilden. Durch die zufällige Auswahl nach klar definierten Kriterien kommen auch diejenigen zu Wort, die sonst selten an politischen Prozessen teilnehmen.

Bis wann die Tagebau-Seen gefüllt sein sollen, hat Claudia Schweda im Gespräch mit Amien Idries erklärt. © Schweda/Idries

Warum bekommt das Rheinische Revier einen Bürgerrat?
„Strukturwandel betrifft den Alltag der Menschen im Rheinischen Revier. Deshalb sollen Bürgerinnen und Bürger beim Bürgerrat konkret mitarbeiten und ihre Erfahrungen einbringen. Die Empfehlungen fließen in die Entscheidungen der Landesregierung ein. So wird Beteiligung verbindlich und nachvollziehbar – wir entscheiden nicht über die Köpfe der Menschen hinweg, sondern mit ihnen“, sagt Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin sowie Wirtschafts- und Klimaschutzministerin des Landes NRW. Für Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, ist die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger an der Zukunftsgestaltung ihrer Heimat ein elementarer Bestandteil des Strukturwandelprozesses. „Mit dem Bürgerrat im Rheinischen Revier gehen wir weit über normale Formen der Bürgerbeteiligung hinaus. Er eröffnet eine völlig neue Dimension regionaler Partizipation.“

Warum wurden 7000 Briefe verschickt?
Der Bürgerrat im Rheinischen Revier wird aus hundert Bürgerinnen und Bürgern bestehen, die die Vielfalt der Bevölkerung im Rheinischen Revier bestmöglich abbilden sollen. Dazu erhalten jetzt rund 7000 Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Revier einen Brief und werden gebeten, sich für den Bürgerrat zu bewerben. Sie wurden per Losverfahren auf Basis des Einwohnermelderegisters ausgewählt. Aus den eingehenden Bewerbungen wird der Bürgerrat zusammengesetzt. „Ziel ist eine möglichst vielfältige Zusammensetzung, die Alter, Bildungsstand, Geschlecht und räumliche Verteilung im Revier widerspiegelt – ein ,Mini-Revier´, das die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen der Bevölkerung sichtbar macht“, erklärt die Zukunftsagentur Rheinisches Revier, die den Prozess organisiert.

Worüber wird der Bürgerrat diskutieren?
Die konkrete Fragestellung, mit der sich der Bürgerrat befasst, leitet sich aus dem „Ziel- und Meilensteinplan Rheinisches Revier“ der Landesregierung ab. Sie steht noch nicht fest, sondern wird erst von einer paritätisch besetzten Vorbereitungsgruppe im ersten Quartal 2026 entschieden.

Wie arbeitet der Bürgerrat?
Der Bürgerrat kommt an drei Sitzungswochenenden im Mai, Juni und Juli 2026 im Rheinischen Revier zusammen und erarbeitet in moderierten Kleingruppen Handlungsempfehlungen. Voraussichtlich im Herbst werden diese dann dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen übergeben. „Die Landesregierung prüft und bewertet die Handlungsempfehlungen und entscheidet danach, ob beziehungsweise wie diese Empfehlungen umgesetzt werden können“, schreibt die Zukunftsagentur.

Wie läuft die Bewerbung?
„Die angeschriebenen Menschen aus dem Rheinischen Revier können sich über eine Online-Webseite oder telefonisch anmelden. Die Webseitenadresse und Telefonnummer werden ihnen im Einladungsschreiben mitgeteilt“, erklärt Annekatrin Dretzke, Pressesprecherin der Zukunftsagentur Rheinisches Revier.

(red/mib)
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