Pullach kippt Bürgerrat wegen zu großer Differenzen beim Bahnhof

Der Gemeinderat Pullach hebt seinen eigenen Beschluss wieder auf. Experten rieten ab, weil die Meinungen zum Bahnhof zu sehr divergieren.
Pullach – Die Gemeinde Pullach ist dafür bekannt, dass sie einen Schritt nach vorn macht – und dann zwei zurück. Genau das ist jetzt wieder passiert. In der jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit gegen die Einberufung eines Bürgerrats gestimmt, die vor einigen Monaten mit sehr knapper Mehrheit beschlossen worden war.
Dem Ganzen vorausgegangen war eine umfangreiche, nichtöffentliche Beratung im Bauausschuss Mitte Dezember, dabei waren auch zwei Profi-Moderatoren, die sich mit dem Instrument bestens auskennen. Auch die beiden, Robert Pakleppa und Flo Oberforcher, eigens aus Lindau beziehungsweise Bregenz angereist, rieten den Pullachern dazu, den Bürgerrat doch nicht einzuberufen. Denn: Die Gemeinde sei bei dem Thema der Nutzung des alten Bahnhofs Pullach, viel zu uneins. Tenor dessen, was die Experten meinten: Da hilft dann auch kein Bürgerrat mehr, ein tragfähiges Ergebnis sei nicht zu erwarten.
Im Gemeinderat hielten sich die meisten an die Empfehlung der Moderatoren. Zweiter Bürgermeister Andreas Most (Pullach Plus), der die Sitzung in Vertretung von Rathauschefin Susanna Tausendfreund (Grüne) leitete, meinte hinterher: „Die Meinungen divergieren bei uns einfach zu sehr, wir mussten unseren eigenen Beschluss wieder aufheben.“ Auch sei man terminlich zu nah an die Wahlen gerückt.
Ähnlich dachten Holger Ptacek (SPD) und Reinhard Vennekold (WiP). Ptacek ist überzeugt davon, dass ein Bürgerrat so kurz vor den Wahlen nichts bringen könne. Reinhard Vennekold: „Ein Bürgerrat ist nicht das richtige Medium für dieses Projekt, das fand ich von Anfang an.“
Tatsächlich gehen die Meinungen, was die Nutzung des Pullcher Bahnhofs angeht, weit auseinander. Peter Bekk (Grüne), der die Idee aufgebracht hatte, einen Bürgerrat einzuberufen, meint, im Gebäude sei ein Familien- und Seniorenzentrum bestens vorstellbar: „Das haben wir in Pullach noch nicht.“ Auch eine lässige, niederschwellige kulturelle Nutzung scheint vielen vorstellbar, nicht aber der WiP. Die will die Wartehalle als solche erhalten, die beiden Gebäudeteile rechts und links der Wartehalle als Kiosk und von Vereinen nutzen lassen. Die Beteiligten haben auch schonmal eine Bürgerbefragung durchgeführt, wie immer wieder erläutert wird. Unter Leuten, die im Winter auf die S-Bahn warteten. Da sagten dann viele, sie hätten gern eine Wartehalle, in der es warm ist. Die Gemeinde hatte schonmal ein Planungsbüro mit einer groben Kostenschätzung beauftragt, damals wäre ein Familienzentrum mit Vorplatz für 2,2 Millionen Euro zu haben gewesen.
Jetzt wird auch in Pullach erstmal gewählt. Und dann soll der neue Gemeinderat sich mit dem Thema befassen.