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Konstanzer Wasserbus legt zum ersten Mal ab - über den Seerhein in die Altstadt

Konstanz

Konstanzer Wasserbus legt zum ersten Mal ab: Erste Gäste fahren über den Seerhein in die Altstadt

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    Schon die ersten Fahrten mit dem Wasserbus vom Steg am Bodenseeforum nutzen etliche Menschen.
    Schon die ersten Fahrten mit dem Wasserbus vom Steg am Bodenseeforum nutzen etliche Menschen. Foto: Rindt, Claudia

    Der Motor brummt, die Abgase riechen, doch viele Gäste sehen nur die schöne Kulisse des Seerheins. Julia und Ulrike Scheiner aus München sagen, sie fühlten sich ein bisschen wie in Italien. Beim Thema Wasserbus denken sie an den Vaporetto in Venedig. Jedenfalls halten sie es für eine gute Idee, auch in Konstanz die Wasserstraße vom Steg des Bodenseeforums bis zum Hafen in der Altstadt zu nutzen. In ihrem Hotel haben sie eine Werbung für den neuen Wasserbus gesehen und ihn ausprobiert. „Wir hatten gar nicht vor, Boot zu fahren“, stellt Julia Scheiner fest.

    Wie auf dem Seerhein vorgeschrieben, tuckert der Wasserbus 15 Minuten lang mit zehn Stundenkilometern in Richtung Hafen. Für Julia Scheiner ist das schnell genug. Als ideal würde sie das Ablegen alle zehn Minuten betrachten. Von der Realität ist dieser Wunsch aber noch weit entfernt. Das Diesel-Boot, das 100 Menschen fasst, sticht alle 50 Minuten vom Steg des Bodenseeforums ins Wasser, und im April auch nur samstags, erst im Mai kommen auch einige Freitage und Sonntage hinzu. Von Juni bis September ist es dann regelmäßig an diesen drei Tagen auf dem Seerhein unterwegs.

    Julia und Ulrike Scheiner fahren gern mit dem Wasserbus. Er erinnert sie an Italien.
    Julia und Ulrike Scheiner fahren gern mit dem Wasserbus. Er erinnert sie an Italien. Foto: Rindt, Claudia

    Gäste sollen dann ihr Auto vor dem Zentrum im Parkhaus Europabrücke an der Reichenaustraße abstellen und mit dem Wasserbus in die Altstadt fahren. So wie Iris und Günter Dorsch aus Baden-Baden. Sie berichten, sie hätten im Radio vom Angebot gehört, „damit wir nicht in den Stau von Konstanz kommen“. Die Beschilderung allerdings sei bescheiden. Als Ortsfremde hätten sie ganz schön suchen müssen, bis sie die Einfahrt zum Parkhaus Europabrücke fanden. Dieses steuern auch Einheimische an, die ansonsten nie an einem Samstag, und schon gleich gar nicht an Ostern, mit dem Auto in die Altstadt fahren würden. Denn sie wissen: In der Regel sind alle Parkhäuser belegt.

    Neuer Wasserbus in Konstanz: Preise für Parken und Fahrt sind Gesprächsthema

    Melanie Stüble etwa kommt aus Dettingen. Das Konzept, aufs Wasser auszuweichen, wenn die Straßen in der Innenstadt verstopft sind, betrachtet sie als sinnvoll. Sie bedauert allerdings, dass es kein kombiniertes Ticket fürs Parken und das Bootfahren gibt. Denn das Auto im Parkhaus Europabrücke ab einem Euro pro Stunde abzustellen, sei zwar günstig, wenn man aber die Fahrscheine für den Wasserbus dazurechne (Erwachsener 3,30 Euro, Tagesticket 6,50 Euro, Familienticket 12,80 Euro) komme man auf einen hohen Preis. In der Altstadt beträgt der Tarif für eine Stunde Parken 3 Euro.

    Auch Heidi und Jürgen Mähliß aus dem Königsbau sind mit dem Auto gekommen. Sie sagen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzufahren, sei zu umständlich gewesen. Sie seien neugierig auf den Wasserbus gewesen. Andere Konstanzer kommen ohne Auto, wie Susanne und Roland Berka. Sie bedauert, dass das Deutschlandticket nicht auf dem Wasserbus gilt. Grundsätzlich halten sie die Idee aber für gut. „Das ist mal was Nettes.“

    Sie genießen die Fahrt: Elias (von links), Nelson und Melanie Taapken sind mit Hund Kayla auf dem Wasserbus.
    Sie genießen die Fahrt: Elias (von links), Nelson und Melanie Taapken sind mit Hund Kayla auf dem Wasserbus. Foto: Rindt, Claudia

    Jennifer Oremek und Sebastian Halter aus dem Saarland stießen bei der Suche nach einer Verbindung in die Altstadt auf den Wasserbus. Sie nutzen ihn gern: „Wenn man schon am Bodensee ist.“ Sie bedauern allerdings, dass sie nicht auch am Sonntag damit fahren können. Auch Hund Kayla gehört zu den ersten Fahrgästen des Wasserbusses. Melanie, Nelson und Elias Taapken aus Wiesbaden sind mit dem Australian Shepherd an Bord. Melanie sagt: „Einen Bootsbus hat man nicht so oft.“

    Florian Schmidt, der selbst auf dem Wasserbus arbeitet, sieht es als sinnvoll an, die Straßen der Altstadt zu entlasten. Er berichtet, wie er nach einem Dienst auf der „Seeperle“ eine Stunde lang im Stau stand, um vom Mitarbeiterparkplatz im Hafen bis zum Sternenplatz zu kommen. Das sei doch kein Zustand.

    Kritik an Kosten für den Wasserbus-Betrieb

    Frank Scheit sieht die Verbindung kritisch. Er sagt, er sei nur mit dem Boot gefahren, weil dies seiner Frau Stephanie gefalle. Für ihn ist klar: „Das ist eine Schnapsidee.“ Eine Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat, könne doch kein Dieselfahrzeug zu Wasser lassen. Aus Kostengründen hatten Stadträte die Anschaffung eines Elektro-Schiffs abgelehnt. Er sagt: Eine Stadt, bei der die Gelder knapp sind, müsse die Mittel so effektiv wie möglich einsetzen. Deshalb sei es sinnvoller, Elektro-Busse nach Bedarf einzusetzen, gern auf einer Route, die vom Stau wenig betroffen ist.

    Stephanie Scheit hat die Fahrt mit dem Wasserbus in den Konstanzer Hafen genossen. Ihr Mann kritisiert das Angebot.
    Stephanie Scheit hat die Fahrt mit dem Wasserbus in den Konstanzer Hafen genossen. Ihr Mann kritisiert das Angebot. Foto: Rindt, Claudia

    Es gab schon einmal einen Bus, der vom damaligen Parkplatz an der Neuen Rheinbrücke (das Parkhaus existierte noch nicht) die Menschen über die Gartenstraße in die Stadt brachte. Das Fazit von Scheit: „Ich würde den Wasserbus nicht weiter betreiben.“ Er kritisiert auch, dass die beiden Kartenautomaten am Steg Bodenseeforum nur Münzen nehmen. Wer mit Karte zahlen will, muss an den benachbarten Kiosk Vlora und Vauna oder an Bord gehen. Es ist auch möglich, die Tickets online zu erwerben.

    Auch die Fraktion FGL&Grüne sieht das „Zuschuss-Projekt“ kritisch, wie Stadtrat Samuel Hofer in einer Mitteilung erklärt. „In den letzten Jahren wurden die Preise für Bustickets immer teurer und der Fahrplan aus Kostengründen ausgedünnt - und jetzt soll plötzlich Geld da sein für ein neues Angebot, das einen hohen Zuschuss der Stadt braucht und überwiegend Touristen zugute kommt? Das passt nicht zusammen.“ Das Geld werde in anderen Bereichen dringender benötigt. Die Stadt Konstanz ist sehr vage in der Kalkulation des Zuschusses für den Wasserbus. Sie gibt ein mögliches Defizit zwischen 35.000 und 310.000 Euro an.

    Die Klima-Kritik

    Stadtrat Niklas Becker (FGL&Grüne) bemängelt in einer Mitteilung, der Wasserbus passe weder zu den Klimazielen noch zur aktuellen Energiekrise. Samstags stünden in Konstanz Elektro-Busse ungenutzt im Depot, stattdessen sei nun ein Boot mit Verbrenner-Motor auf dem Wasser unterwegs. Holger Reile (Linke Liste Konstanz), der zufällig am Bodenseeforum vorbeikommt, sagt: „Jetzt haben wir halt wieder eine Diesel-Kutsche.“ Der Wasserbus fährt ein Jahr lang auf Probe. Dann tagt ein Bürgerrat und macht Vorschläge für das weitere Vorgehen. Im Jahr 2018 gab es in Konstanz schon einmal einen Probebetrieb mit einem Wasserbus.

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