- Berliner Senat wirbt für Olympia mit einer Art "Mutter aller Fanmeilen"
- Installationen an Wahrzeichen und Feier auf dem Tempelhofer Feld
- Erste Kostenschätzung vorgelegt - aber viele Punkte offen
Dass in der Sprache der internationalen Großereignisse stets ein "spectacular" benötigt wird, weiß Berlin spätestens seit der Fußball-Europameisterschaft 2024: Damals überzeugte man die Uefa mit einem gigantischen Fußballtor und einem großflächigen Kunstrasen auf der Straße des 17. Juni. Für Olympische Spiele soll nun erneut die "Mutter aller Fanmeilen" Bilder liefern, die um die Welt gehen.
Mit einer langen Rampe sollen Olympiabesucher bis zur Quadriga auf das Brandenburger Tor steigen können. Dazu gibt es große Ringe, die sich um Wahrzeichen wie den Fernsehturm und den Molecule Man wickeln, und einen goldgelben "Olympia-Weg", den der Senat auf die Straße zwischen Olympiastadion und Tempelhofer Feld malen will. Und dort, mit dem ehemaligen Flughafen als Kulisse, soll auch die Eröffnungsfeier stattfinden: Wo Berlin "das erste Mal wirklich mit der Welt verbunden" wurde, wie Kulturprojekte-Chef Moritz van Dülmen sagt. "Wir wollen mit unserem Konzept Geschichte und Zukunft verbinden", so Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU).
Vier deutsche Regionen bewerben sich für Olympia
Dass die Geschichte des Flughafens Tempelhof nicht weniger belastet ist als die des Olympiastadions – gerade mit Blick auf mögliche Spiele 2036 – ist eine Debatte für andere Tage. Denn erst einmal muss Berlin den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) überzeugen, der am 26. September entscheidet, welche Region für Deutschland ins Rennen um die Ringe geht.
Für die eher skeptische Berliner Bevölkerung hatte der Senat bislang vor allem ein großes Versprechen parat: Nur Olympia brächte all das Geld in die Stadt, das hier schon seit Jahren dringend investiert werden müsste.
Berliner Olympia-Sportstätten müssten modernisiert oder erst gebaut werden
Konkrete Zahlen gab es dafür aber nicht – bis zum Dienstag. Allein 1,6 Milliarden Euro sollen im Zuge der Bewerbung in die Modernisierung der Sportstätten fließen, heißt es im finalen Konzept, das der Senat bis zum 4. Juni an den DOSB schicken will.
Das klingt nach viel Geld – bis man sich die lange Liste der Maßnahmen anschaut, die finanziert werden soll. Jede Wettkampfstätte, mit der Berlin plant, müsste für Olympia mindestens modernisiert und zum Teil erst gebaut werden, so wie der "Urban Sports Hub" für BMX, Bogenschießen und Sportklettern.
Das mit Abstand größte Projekt dürfte der Umbau des Sommerbades im Olympiapark zur Schwimmarena werden: eine überdachte, halboffene Wettkampfstätte, für die Sportsenatorin Iris Spranger die denkmalgeschützten Tribünen "entsprechend anfassen und nach außen ziehen" will. Nach den Spielen hätte Berlin dann allerdings auch eine "ganzjährig" nutzbare Wasserfläche, so Spranger, eine "wunderbare Ergänzung" für Berlins Bäderlandschaft.
Dass dafür die 1,6 Milliarden Euro nicht reichen könnten, deutet die SPD-Politikerin allerdings auch an: Die Berliner Bäderbetriebe würden schließlich "bis zum Jahr 2030 über 600 Millionen Euro zusätzliche finanzielle Mittel" vom Senat bekommen. Eine olympische Schwimm-Arena sollte davon bislang allerdings nicht gebaut, dafür aber jede Menge Schwimmbäder saniert werden.
Olympia-Installationen müssten aus Überschuss bezahlt werden
Deutlich mehr Geld, nämlich 4,8 Milliarden Euro, kostet laut Senatsprognose die reine Durchführung der Spiele: für Organisation, Personal, temporäre Tribünen, Technik, Transport und den Ablauf der Wettkämpfe.
Hier aber soll Berlin am Ende sogar noch dazuverdienen, weil in diesem Budget auch die Einnahmen durch Ticketverkäufe, Sponsoring und TV-Rechte einfließen. Fast sechs Milliarden Euro kämen dadurch zustande, rechnet der Senat vor. Macht am Ende: 420 Millionen Euro Gewinn, "der vor allem dem Berliner Schul- und Breitensport zufließen soll", verspricht Spranger.
Ob der Überschuss am Ende wirklich in der Kasse landet, ist aber unklar. Denn just aus diesem Budget wird man wohl noch andere Wünsche finanzieren müssen: kostenlosen ÖPNV in ganz Berlin während der Spiele, ein üppiges Kunst- und Kulturprogramm oder vergünstigte Olympia-Tickets für Berlinerinnen und Berliner. Verlangt hat all das übrigens der Bürgerrat, den der Senat extra für das Beteiligungsverfahren eingesetzt hat. Auch dessen Forderungskatalog würde Kosten nach sich ziehen.
Aus diesem Budget sollen dann übrigens auch die spektakuläre "Quadriga-Rampe", der goldgelbe "Olympia-Weg" und die Eröffnungsfeier bezahlt werden. Allzu fest sollte der Senat den Olympia-Profit also nicht einplanen.
Viele erwartbare Kosten für Berliner Olympia noch nicht einkalkuliert
Die weitaus größte Unbekannte in dieser Gleichung aber bleibt das Thema Sicherheit. Wie viel Geld am Ende für zusätzliche Polizeikräfte, Katastrophenschutz, Verwaltungsaufgaben und weitere staatliche Leistungen während der Spiele ausgegeben werden müssen, kann derzeit noch niemand beziffern. "Das macht genau aus diesem Grund auch keiner der Mitbewerber", betont Spranger. "Es wird zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht verlangt, weder vom DOSB noch vom IOC."
Ob das die Olympia-Skeptiker überzeugt, bleibt abzuwarten. Die jüngst vom DOSB in Auftrag gegebene Umfrage, wonach 60 Prozent der Berlinerinnen und Berliner die Olympiabewerbung befürworten, interpretiert Kai Wegner jedenfalls als Auftrag. Er glaube, "dass wir die besten Chancen haben", so der CDU-Politiker.
Ob ihm das auch politisch Rückenwind geben wird bei der anstehenden Berlin-Wahl, wird sich zeigen. Denn die findet eine Woche vor der Entscheidung statt, ob Berlin nach den Ringen greifen darf.
Beitrag von Sebastian Schöbel
Sendung: rbb24 Abendschau, 05.05.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Abendschau, 05.05.2026, 19:30 Uhr, Dorit Knieling
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