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Bürgerdialog zum Klimaschutzplan 2050

(ID 263)

  • Rahmendaten

    Bundesland
    keine Angabe
    Land:
    Bundesrepublik Deutschland

    Herkunft des Eintrags:
    Politicize
    Name des Verfahrens:
    Bürgerdialog zum Klimaschutzplan 2050
    Art des Verfahrens:
    Bürgerdialog
    Thema:
    Klimaschutzplan 2050
    Fragestellung:
    keine Angabe
    Schlagworte:
    Bürgerdialog, Onlinedialog, Klima, Klimaschutz, Klimakrise, Klimaschutzplan, 2050, Klimakonferenz, Klimafußabdruck, Konsum, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, Energie, Energiewirtschaft, Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Abfall, Abfallkreislaufwirtschaft, Gebäude, Verkehr, Güterfernverkehr, Landwirtschaft, Landnutzung, Agrarwende, Massentierhaltung, Ernährung, Fleisch, Ökolandbau, Aufforstung, Gesundheit, Steuern, Langlebigkeit, Plastik, Aufklärung, Information, Umweltschutz, Umweltbilanz, Naturschutz, Hamburg, Leipzig, Essen, Frankfurt, Nürnberg
    Themenfelder:
    Klima
    Verkehr
    Bau
    Energie
    Landwirtschaft
    Gebietskörperschaftübergreifend?
    Nein
    Gebietskörperschaftsintern?
    Ja
    Beteiligte Orte:
    Hamburg, Leipzig, Essen, Frankfurt, Nürnberg
    Beginn des Bürgerrats:
    14.11.2015
    Ende des Bürgerrats:
    14.11.2015
    Anzahl der Teilnehmenden:
    472
    Politische Ebene:
    National
    Aktueller Status:
    Beendet
    Auftraggeber des Verfahrens:
    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV)
    Durchführende Akteure:
    IKU - Die Dialoggestalter, ifok
    Links zu den durchführenden Akteuren:
    https://dialoggestalter.de + https://ifok.de
    Art der Akteure:
    Privatwirtschaftlich
    Offizieller Kontakt für den Bürgerrat:
    Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)
    Stresemannstr. 128 - 130
    10117 Berlin
    Tel. +49 (0) 030 18 305-0
    E-Mail: poststelle@bmukn.bund.de
    Rechtliche Grundlage:
    Beauftragung durch eine öffentlich-rechtliche Körperschaft
    Verstetigung:
    Einmalig

    Ziel und Zweck des Verfahrens:
    keine Angabe
    Überblick über das Verfahren:
    Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung stellt das zentrale Handlungsinstrument zum Erreichen der nationalen Klimaschutzziele bis 2050 dar, gibt inhaltliche Orientierung und gestaltet den Fahrplan in Richtung einer klimaneutralen Volkswirtschaft .

    Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zum Klimaschutzplan 2050 wurden erstmals nicht nur kommunale Spitzenverbände, Länder und Verbände eingebunden, sondern auch direkt zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Sie wirkten aktiv bei der Ausgestaltung und Bewertung von Maßnahmen und Strategien zum Klimaschutz mit. Kernstück des Beteiligungsverfahrens war der „Tag des Bürgerdialogs zum Klimaschutzplan 2050“ am 14. November 2015, der zeitgleich an fünf Orten in Deutschland stattfand. Ergänzt wurden diese Veranstaltungen durch einen Online-Dialog. Das Bürgerbeteiligungsverfahren sollte als ein Musterbeispiel für Öffnung und Transparenz gestaltet werden.

    Der Klimaschutzplan sollte Fortschritte auf drei Ebenen bringen:

    1. Er sollte konkrete Leitbilder für die einzelnen Handlungsfelder formulieren. Die Handlungsfelder sind:

    - Energiewirtschaft
    - Industrie & Gewerbe / Handel / Dienstleistungen (inkl. Abfallkreislaufwirtschaft)
    - Gebäude
    - Verkehr
    - Landwirtschaft und Landnutzung

    2. Er sollte für all diese Bereiche Veränderungsmöglichkeiten und –notwendigkeiten beleuchten, die Wechselwirkungen untereinander darstellen sowie Risiken und Abhängigkeiten aufzeigen und

    3. Er sollte insbesondere das Zwischenziel für 2030 bereits mit konkreten Reduktionsschritten und Maßnahmen unterlegen.

    Über die Beteiligung sollten strategische Maßnahmen für den Klimaschutzplan erarbeitet werden, die dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen Deutschlands bis 2050 um mindestens 80 - 95 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.

    Tag des Bürgerdialogs am 14.November 2015

    Der Tag des Bürgerdialoges zum Klimaschutzplan fand am 14. November 2015 zeitgleich in Essen, Frankfurt, Hamburg, Leipzig und Nürnberg statt. 472 Bürgerinnen und Bürger haben an diesem Tag 77 Maßnahmenvorschläge für den Klimaschutzplan 2050 erarbeitet.

    Um einen Querschnitt der Bevölkerung abzubilden, wurden die Bürgerinnen und Bürger durch eine telefonische Zufallsauswahl in Stadt und Umland gewonnen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Bürgervorschläge in allen fünf Handlungsfeldern des Klimaschutzplanes erarbeitet.

    Nach dem Tag des Bürgerdialoges konnten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre 77 Maßnahmenvorschläge in einem Onlinedialog unter www.klimadialog2050.de abstimmen.

    „Top10“ der Vorschläge aus dem Bürgerdialog

    Die „Top10“ Maßnahmenvorschläge aus dem Bürgerdialog aus allen Städten und über alle Handlungsfelder hinweg sind:

    1. Länderübergreifendes Netzwerk für erneuerbare Energien (Frankfurt)
    2. Kennzeichnung der Produkte nach ökologischem Fußabdruck (Leipzig)
    3. Dezentralisierung der Energieproduktion und Verteilung (Hamburg)
    4. Agrarwende jetzt – Regionale, ökologische Landwirtschaft = Schlüssel für erfolgreichen Klimaschutz (Nürnberg)
    5. Steuerliche Anreize für klimafreundlichen Verkehr schaffen! (Nürnberg)
    6. Besteuerung aller Verkehrsmittel nach ihrer Gesamtenergiebilanz (Leipzig)
    7. Güterfernverkehr von der Straße (Essen)
    8. Anreize für langlebige Produkte schaffen (Leipzig)
    9. Industrielle Landwirtschaft stoppen, Ökolandbau fördern! (Essen)
    10. Energieversorgung dezentralisieren und regionalisieren (Nürnberg)

    Kommentierung im Onlinedialog

    Die interessierte Öffentlichkeit konnte alle Maßnahmenvorschläge im Onlinedialog kommentieren. Die mit Abstand meisten Kommentare im Onlinedialog gab es zu dem Vorschlag „Abschaffung der Massentierhaltung“. Der umstrittenste Vorschlag „Sauberer Brennstoff für Milliarden Jahre“ zur Kernfusion erhielt die zweitmeisten Kommentare. Weitere Kommentardebatten entstanden zu Vorschlägen wie „Länderübergreifendes Netzwerk für erneuerbare Energien“ und „Ausstieg aus Kohleenergie“.

    Wie wurden die Teilnehmenden gewonnen?

    Die Teilnehmergewinnung zielte darauf, per Zufallsauswahl aus den öffentlichen Telefonregistern an jedem der fünf Veranstaltungsorte 100 Teilnehmende zu gewinnen, die jeweils einen Querschnitt der Bevölkerung nach Geschlecht, Alter und Bildung abbilden. Die Zufallsstichprobe aus Stadt und Umland der fünf Städte umfasste 76.451 angerufene Telefonnummern. Die erwartete Resonanz: 2.454 bzw. 3,2 Prozent der Angerufenen zeigten sich interessiert und erhielten umfangreiches Infomaterial zum Bürgerdialog Klimaschutzplan 2050.

    Am Tag des Bürgerdialogs haben in Hamburg, Leipzig, Essen, Frankfurt und Nürnberg von 555 Angemeldeten letztendlich 472 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen (Essen: 85, Frankfurt: 93, Hamburg: 97, Leipzig: 97, Nürnberg: 100). Darunter waren 213 Frauen und 259 Männer.

    Onlinedialog

    Der dem Bürgerdialog nachgeschaltete Onlinedialog vom 24. November bis zum 21. Dezember 2015 gab der Öffentlichkeit und allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern Zugang zu den entwickelten Maßnahmenempfehlungen. Jede/r registrierte Nutzer/in konnte die Maßnahmen kommentieren sowie die eingegangenen Kommentare bewerten.

    Bis zum Ende des Onlinedialoges am 21. Dezember 2015 haben sich

    - 419 Teilnehmer registriert, die 625 Kommentare abgegeben haben;
    - darunter 207 Teilnehmer vom Tag des Bürgerdialoges, die insgesamt 2.874 Stimmen zu den Maßnahmenvorschlägen abgegeben
    haben.
    - Die Kommentare erhielten zusätzlich 3.644 Bewertungen der Kommentare

    Bürgerdelegierte

    Auf jeder Veranstaltung wurden zwei Bürgerdelegierte (je ein Mann und eine Frau) sowie zwei Stellvertreter /-innen ausgelost, die sich im Vorfeld bereit erklärt hatten, diese Aufgabe zu übernehmen. Im Onlinedialog wurden zwei weitere Bürgerdelegierte ausgelost. Die 12 Bürgerdelegierten brachten die Bürgerempfehlungen im Delegiertengremium ein, an dem auch Vertreter aus Bundesländern, Kommunen und Verbänden beteiligt waren. Ihre Aufgabe: ein gemeinsames Paket an Maßnahmenempfehlungen zum Klimaschutzplan 2050 für die Bundesregierung schnüren.

    Das gemeinsame Maßnahmenpaket wurde der Bundesregierung vom Delegiertengremium im März 2016 übergeben. Im Anschluss hat die Bundesregierung die Maßnahmen geprüft, in geeigneter Weise Stellung genommen und den Klimaschutzplans 2050 erstellt, der am 14. November 2026 im Kabinett verabschiedet wurde.

    Viele Maßnahmevorschläge umgesetzt

    77 Maßnahmen wurden von den Bürgerinnen und Bürgern am Tag des Bürgerdialogs erarbeitet. 66 konsolidierte Maßnahmen wurden von den Interessenvertreterinnen und -vertretern erarbeitet. 97 Maßnahmenvorschläge wurden an Bundesministerin Barbara Hendricks im März 2016 übergeben. Diese resultieren aus der Konsolidierung und Fusion der Vorschläge aus beiden Säulen des Beteiligungsprozesses.

    Davon stammen 18 Maßnahmen aufgrund ihres innovativen Charakters exklusiv aus den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung. Die restlichen Vorschläge wurden mit anderen Maßnahmen zusammengeführt. Nur vier Vorschläge der Bürger wurden nicht weiter verfolgt.

    Das Bundesumweltministerium zeichnete im Rahmen der Abschlussveranstaltung im Februar 2017 ein positives Bild: Mehr als die Hälfte der vorgeschlagenen 97 Maßnahmen fanden ihren Niederschlag im letztlich verabschiedeten Klimaschutzplan 2050.

    Evaluation

    Eine Evaluation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in den Politikalltag auf Bundesebene funktioniert und sinnvoll ist. Bürgerinnen und Bürger können und wollen sich konstruktiv auch in komplizierte bundespolitische Themen einbringen. Sie haben wertvolle Anregungen und Kommentare beigesteuert und den Klimaschutzplan 2050 damit bereichert. Insbesondere wenn es um richtungsweisende gesellschaftliche Zukunftsthemen wie den langfristigen Klimaschutz geht, wirkt es sich positiv auch auf die repräsentative Demokratie aus, wenn Bürger mitwirken können.

    Auch wenn solche Bürgerbeteiligungs-Verfahren Aufwand bedeuten, überwiegen die Vorteile: Politische Maßnahmen werden einem Praxistest unterzogen, ihre Qualität wird erhöht und die Akzeptanz für Verfahren und Ergebnisse gesteigert.
    Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
    Online-Dialog
    Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
    keine Angabe
  • Planung und Durchführung

    Art des Losverfahrens:
    Einfache Zufallsauswahl
    Auswahlkriterien beim Losverfahren:
    Sonstige
    Datenbasis für das Losverfahren:
    Telefonbuch
    Gab es nicht-geloste Teilnehmende?
    Ja
    Anzahl nicht geloster Teilnehmender:
    13
    Wie und nach welchen Kriterien wurden die nicht-gelosten Teilnehmenden ausgewählt?
    Stakeholder
    Wie wurden die ausgelosten Personen kontaktiert?
    Telefonisch
    Sonstige Auswahlkriterien:
    Eine möglichst große Bandbreite an Meinungen und Teilnehmern
    Anzahl Einladungen:
    76451
    Anzahl positiver Rückmeldungen:
    2454
    Quote positiver Rückmeldungen in Prozent:
    3.2
    Gab es eine finanzielle Entschädigung für die Teilnehmenden?
    keine Angabe
    Unterstützung der Teilnahme:
    keine Angabe

    Kosten:
    2500000
    Herkunft der Finanzierung:
    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV)

    Datum des Beschlusses:
    keine Angabe
    Prozessdesign: Einbezug von Stakeholdern (Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung):
    keine Angabe
    Prozessdesign: : Politische Mandatsträger:innen (Exekutive, Legislative):
    keine Angabe

    Art der Sitzungen:
    Nur Präsenz
    Drop-Outs:
    keine Angabe
    Optional: Angebotene Plattformen:
    keine Angabe
    Anzahl der Sitzungstage:
    1
    Art der Kleingruppen:
    Moderierte Kleingruppen
    Wurde eine Facilitation-Methode angewandt?
    keine Angabe
    Angewendete Methoden:
    keine Angabe
    Gesamtdauer der Sitzungen in Stunden:
    7
    Anzahl der Panel:
    1

    Einbezug von externer Expertise:
    Ja
    Anzahl der Experten:
    1
    Einbezug von externer lokaler Expertise:
    keine Angabe
    Gesamtumfang des externen Inputs:
    1
    Hintergrund der Expert:innen:
    Wissenschaft

    Welche Begleitgremien gab es zum Bürgerratsprozess?
    Stakeholdergremium
    Perspektiven in den Begleitgremien:
    Wissenschaft
    Rolle der Begleitgremien:
    keine Angabe

    Wurde Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt?
    Ja
    Umfang und Art der Öffentlichkeitsarbeit:
    Internetseite, Pressemitteilungen
    Wer hat die Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt?
    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV)
  • Ergebnisse und Wirkung

    Wurde der Bürgerrat evaluiert?
    Ja: externe Evaluation
    Art der Evaluation:
    Bilanzierende Evaluation
    Methodik der Evaluation
    Teilnehmendenbefragung, Bevölkerungsbefragung, Dokumenten- und Medienanalyse, Inhaltsanalyse des Online-Dialogs, Befragung von Initiatoren, Ministerialen und Abgeordneten
    Herausforderungen:
    Während etwa 40 Prozent der Befragten die Präsenzveranstaltung als „sehr gut“ bezeichneten, gaben nur etwa 15 Prozent der ersten Online-Phase diese Note, bei der zweiten waren es etwa zehn Prozent. Zwar prägen auch für die Online-Phasen im Durchschnitt gute Noten das Bild, die Unterschiede sind jedoch erkennbar.

    Vergleicht man die Struktur der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Tag des Bürgerdialogs mit der Gesamtbevölkerung, zeigen sich Unterschiede. War die Verteilung der Geschlechter vor Ort noch ausgewogen, zeigen sich in der Alters- und Bildungsstruktur Abweichungen. Gerade junge Leute bis 24 Jahre waren nur schwer für eine Teilnahme zu gewinnen.

    Auch mit Blick auf die formale Bildung treten deutliche Unterschiede zu Tage: Während in der gesamten Bevölkerung der Anteil der Bürgerinnen und Bürger mit Abitur bei rund 30 Prozent liegt, verfügten bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Tags des Bürgerdialogs mehr als 80 Prozent über die allgemeine Hochschulreife.

    Genau umgekehrt ist es bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss. Liegt dieser Anteil in der Gesamtbevölkerung bei knapp einem Fünftel, sind es bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Beteiligungsverfahrens nicht einmal fünf Prozent.

    Unterschiede treten trotz der aufwändigen, zufallsbasierten Rekrutierung auch zutage, wenn es um die Frage nach dem Interesse am Klimaschutz 5 geht, das in der Bevölkerung generell hoch ist: Etwa 65 Prozent der Befragten interessiert das Thema stark oder sehr stark. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Tags des Bürgerdialogs liegt dieser Anteil jedoch bei rund 95 Prozent.

    Die geringe Beteiligung am Onlinedialog st ein Hinweis auf eine eher geringe Bekanntheit des Verfahrens in der Bevölkerung.

    Rund um die UN-Klimakonferenz in Marrakesch und insbesondere in deren Endphase berichteten und diskutierten die Medien intensiv über den Klimaschutzplan 2050. Das Beteiligungsverfahren, insbesondere die Beteiligung der Bürger, spielte dabei allerdings praktisch keine Rolle. Die Medienanalyse zeigt: Ein direkter Bezug zum Beteiligungsverfahren findet sich in kaum einem Artikel.

    Eine Analyse von Tweets auf Twitter bestätigt die geringe Medienpräsenz des Klimaschutzplans und vor allem des Beteiligungsverfahrens.

    Ohne mediale Berichterstattung ist es für die breite Öffentlichkeit – über die unmittelbar Beteiligten hinaus – kaum möglich, etwas über den Klimaschutzplan und den Beteiligungsprozess zu erfahren. Das bestätigen auch die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung: Etwa ein Viertel der Befragten hatte schon einmal vom Klimaschutzplan 2050 gehört, vom zugehörigen Beteiligungsverfahren wussten jedoch nur etwa zehn Prozent. Das zeigt, dass die Reichweite des Beteiligungsprozesses und die Kenntnis über die Möglichkeit der Beteiligung eher gering war.

    Darüber hinaus gaben auch die von uns befragten Abgeordneten des Deutschen Bundestags an, nicht sehr viel vom Beteiligungsverfahren zum Klimaschutzplan 2050 mitbekommen zu haben.

    Alles in allem ist festzuhalten, dass die mediale Berichterstattung zum Klimaschutzplan eher gering ausfiel. Speziell über das Beteiligungsverfahren wurde kaum berichtet. Die Prozessbeteiligten waren damit nicht zufrieden.

    Lernerfahrungen für zukünftige Verfahren:
    Eine umfassende Medienstrategie für alte und neue Medien ist unabdingbar. Die Außenwirkung und -darstellung des Prozesses ist kritisch zu sehen. Für die Reichweite von Bürgerbeteiligungsprozessen ist eine intensive und abgestimmte Medienarbeit notwendig. Aber auch gegenüber anderen Ressorts kann und sollte die Kommunikation verbessert werden, um Vorbehalten zu begegnen.

    In Verwaltung und Politik werden Bedenken gegen Parallelstrukturen geäußert. Ähnliche Vorbehalte werden deutlich, wenn es um mögliche Verlagerungen von Einflussmöglichkeiten von klassischen Stakeholdern hin zu Bürgerinnen und Bürgern geht. Dies sollte für zukünftige Verfahren stärker bedacht werden, um eine breite Akzeptanz nicht zu gefährden.

    Bedenken gegenüber dem Verlust des exklusiven Zugangs zur Politik oder gegenüber der Schaffung von Parallelstrukturen, äußerten Mitarbeiter der an der Ressortabstimmung beteiligten Ministerien. Daher braucht es eine intensive und behutsame Planung, auch um die unterschiedlichen Ansprüche an Prozesse zusammenzuführen. Dies reicht von der klaren Benennung der einzelnen Treffen (so sahen Kritiker etwa den Begriff „Delegiertengremium“ kritisch) bis hin zur unterschiedlichen Einarbeitungszeit in Themen und Zusammenhänge.

    Die Zusammenführung von zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern mit professionell tätigen Stakeholdern und Interessenvertretern bedarf der sorgfältigen Planung. Wichtig ist hier, dass gleiche Spielregeln und gleiche Augenhöhe zwischen den Beteiligten hergestellt werden. Hierzu ist etwa eine zusätzliche wissenschaftliche Begleitung der Bürger hilfreich. In Beteiligungsverfahren ist zudem ein gleichberechtigtes, prozessbezogenes Feedback an die Beteiligten wünschenswert.

    Der hohe Zeitdruck wird kritisch gesehen und sollte für zukünftige Verfahren entzerrt werden.

    Gerade aufgrund der komplexen Projektkonzeption und der Neuheit des Verfahrens wurde der interne Abstimmungsaufwand im Bundesumweltministerium als hoch eingeschätzt. Eine stärkere Standardisierung solcher Prozesse kann eine mögliche Lösung sein. Auch die Aufteilung des Beteiligungsprozesses auf zwei Abteilungen und zwei externe Dienstleister sehen die Initiatoren in Bezug auf den Aufwand der resultierenden notwendigen Abstimmung als verbesserungswürdig an.

    Bei zukünftigen Prozessen ist die Planung der Rückkopplung zu den Bürgern für die Phase der politischen Verhandlungen noch stärker zu berücksichtigen.

    Bei der Zufallsauswahl braucht es eine Nachsteuerung, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Beteiligungsverfahren die unterschiedlichen Sichtweisen einer pluralen Gesellschaft abbilden sollen.
    Gab es eine Begleitforschung?
    Nein

    Anzahl der vom Bürgerrat erarbeiteten Empfehlungen für die Politik:
    77
    Sind die Empfehlungen übergeben worden?
    Ja
    Sind die Empfehlungen publiziert worden?
    Ja
    Wurden die Empfehlungen mit den Adressaten diskutiert?
    Ja
    Wie oft und in welchem Rahmen hat ein Austausch zu den Empfehlungen mit den Adressaten stattgefunden?
    Das gemeinsame Maßnahmenpaket wurde der Bundesregierung vom Delegiertengremium im März 2016 übergeben.

    Legislative Beratung:
    Unbekannt
    Gab es eine Stellungnahme zu den Empfehlungen?
    Unbekannt
    Legislative Beschlüsse:
    Unbekannt
    Exekutive Beschlüsse:
    Unbekannt
    Politische Mehrheitsverhältnisse der Legislative:
    CDU, CSU, SPD
    Politische Mehrheitsverhältnisse der Exekutive:
    CDU, CSU, SPD
    Regierungswechsel während des Prozesses:
    Nein
    Wurde die Umsetzung überprüft?
    Nein
    Stand der Umsetzung:
    Ja
    Ganz umgesetzte Empfehlungen:
    52
    Teilweise umgesetzte Empfehlungen:
    6
  • Kontaktdaten

    Vorname:
    keine Angabe
    Name:
    keine Angabe
    Telefon:
    keine Angabe
    Mobil:
    keine Angabe
    E-Mail:
    keine Angabe
    Welche Rolle hatten Sie im Bürgerrat?
    keine Angabe