Ziel und Zweck des Verfahrens:
Stärkung des Ehrenamtes im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Überblick über das Verfahren:
Im Bürgerrat Ehrenamt haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam überlegt, wie das Ehrenamt im Landkreis Marburg-Biedenkopf gestärkt und wie mehr Menschen für freiwilliges Engagement begeistert werden können.
Dabei sprachen die Bürgerrat-Mitglieder darüber, was Menschen brauchen, um sich überhaupt engagieren zu können, welche Rahmenbedingungen das Ehrenamt erleichtern und wie sich freiwilliges Engagement besser mit dem Alltrag, der Familie oder dem Berufsleben vereinbaren lässt.
Ziel war es, neue Ideen zu entwickeln, wie Engagement im Landkreis Marburg-Biedenkopf zugänglicher gestaltet werden kann.
Ablauf
Phase 1: Losverfahren & öffentlicher Aufruf
In der ersten Phase des Bürgerrates ging es um den Prozess der Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Ungefähr 30 Menschen sollen gemeinsam den Bürgerrat "Ehrenamtsforum - Engagiert im Dialog" bilden. Dabei hat der Landkreis zum einen auf ein Losverfahren gesetzt, bei dem ungefähr 1.000 Menschen im Landkreis zufällig ausgelost wurden und eine Einladung zum Bürgerrat erhalten haben. Zum anderen gab es einen öffentlicher Aufruf (z. B. über Social Media, Gemeindeblätter, Beteiligungsplattform, Newsletter), über den man sich ebenfalls für die Teilnahme am Ehrenamtsforum anmelden konnte.
Phase 2: Zusammensetzung des Ehrenamtsforums
Nachdem die Rückmeldezeit am 12. April 2026 vorbei war, ging es an die finale Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Hier hat der Landkreis aus allen Rückmeldungen, die als Antwort auf das losbasierte Anschreiben oder den öffentlichen Aufruf eingegangen waren, 30 Personen ausgewählt. Dabei wurde auf Kriterien wie Alter, Geschlecht, Ausbildung, Herkunft und Wohnort im Landkreis geachtet. Ziel waar es, das Ehrenamtsforum so zusammenzusetzen, dass es soweit wie möglich der echten Zusammensetzung der Bevölkerung im Landkreis entspricht.
Phase 3: Einladung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Als nächstes ging es an die Einladung der ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie hatten ein offizielles Einladungsschreiben erhalten, um am Ehrenamtsforum teilzunehmen. Konnte jemand doch nicht teilnehmen, hat der Landkreis den Einladungsprozess wiederholt und eine weitere Person eingeladen - immer mit Blick darauf, dass das Ehrenamtsforum repräsentativ für den Landkreis zusammengesetzt ist.
Phase 4: Sitzungen
Nachdem das Ehrenamtsforum zusammengesetzt wurde, fanden im Mai und Juni 2026 die einzelnen Sitzungen statt. Es gab drei Sitzungstage, an denen die Problemstellung erarbeitet, Lösungsansätze entwickelt und Handlungsempfehlungen für den Landkreis formuliert wurden.
Nach Ende der Sitzungen wurden die erarbeiteten Ergebnisse in einem Gutachten festgehalten.
Die Inhalte und Ergebnisse der einzelnen Sitzungen sowie die Ergebnisse wurden auf der Internetseite des Landkreises dokumentiert und öffentlich gemacht.
Die Empfehlungen
Das Empfehlungspapier des Bürgerrats „Ehrenamtsforum – Engagiert im Dialog“ enthält zehn konkrete Maßnahmen, mit denen der Landkreis Marburg-Biedenkopf ehrenamtliches Engagement erleichtern, sichtbarer machen und insbesondere für jüngere Menschen attraktiver gestalten soll.
1. Zentrale Ehrenamtsplattform: Eine barrierefreie Internetseite und Anwendung soll Vereine, Initiativen und Interessierte zusammenbringen und unter anderem Ansprechpartner, Beratung, Schulungen, Veranstaltungen, Räume, Mitfahrgelegenheiten, Fördermöglichkeiten und Materialien bündeln.
2. Fördermöglichkeiten übersichtlich darstellen: Eine laufend aktualisierte digitale Übersicht soll zeigen, welche Förderprogramme und Fördermittelgeber für Vereine und Initiativen infrage kommen.
3. Ehrenamt stärker bewerben: Durch Werbung, QR-Codes, Plakate, soziale Medien sowie Präsenz in Schulen, Kitas, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen sollen Ehrenamt und bestehende Angebote bekannter werden – besonders bei jungen Menschen.
4. Vereine bei moderner Öffentlichkeitsarbeit unterstützen: Der Landkreis soll digitales Coaching anbieten, damit Vereine beispielsweise kurze, originelle Videos für soziale Medien erstellen können.
5. Anerkennung des Ehrenamts verbessern: Vorgeschlagen werden Materialien wie Dankeskarten, Bescheinigungen für Bewerbungen, Anstecker, Magnete und attraktive kleine Anerkennungen insbesondere für junge Engagierte.
6. Ehrenamtscard bekannter machen: Vereine sollen regelmäßig über die Karte informiert und dazu ermuntert werden, sie für ihre ehrenamtlich Engagierten zu beantragen.
7. Kinder-Ehrenamtscard einführen: Für engagierte **Sechs- bis 13-Jährige** wird eine zeitlich befristete „Superhelden“-Karte mit Vergünstigungen vorgeschlagen. Damit sollen Kinder frühzeitig an ehrenamtliches Engagement herangeführt werden.
8. Kurzzeitengagement ermöglichen: Ehrenamt soll nicht mehr zwangsläufig eine langfristige Bindung bedeuten. Der Landkreis soll zeitlich begrenzte Projekte fördern, Vereine beraten, kleine Projekte finanziell unterstützen und unter anderem eine zeitweise kostenlose ÖPNV-Nutzung ermöglichen.
9. Vereinsstrukturen modernisieren: Aufgaben sollen auf größere Teams verteilt werden können. Der Landkreis soll flexiblere Vereinsstrukturen unterstützen und unter anderem Mustersatzungen sowie Vorschläge etwa zu Amtszeitbegrenzungen und neuen Vorstandsmodellen bereitstellen.
10. Ehrenamt und Alltag besser vereinbaren: Sitzungen und Veranstaltungen sollen sich stärker nach den zeitlichen Möglichkeiten der Beteiligten richten und möglichst nicht während Arbeits- oder Unterrichtszeiten stattfinden; auch hybride Sitzungen werden empfohlen.
Phase 5: Übergabe
Als Abschluss des Ehrenamtsforums findet eine offizielle Übergabe der Ergebnisse an den Landrat statt. Bei dieser Übergabe gibt es die Möglichkeit, persönlich mit dem Landrat über den Prozess, die erarbeiteten Ergebnisse und ihre politische Umsetzung zu sprechen.
Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
keine Angabe
Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
keine Angabe