Ziel und Zweck des Verfahrens:
Einen förderlichen Bürger-Dialog ermöglichen, in dem Gedanken und Ideen für die zukünftige Entwicklung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, auf der Basis unterschiedlicher Perspektiven und Meinungen von 60 zufällig ausgelosten Greifswalderinnen und Greifswaldern zusammengetragen werden. Der Fokus liegt dabei auf stadtrelevanten Themen.
Überblick über das Verfahren:
Am 11. Oktober 2025 hat die Arbeit des Greifswalder Zukunftsrates begonnen. 60 ausgeloste Bürgerinnen und Bürger haben darin die Möglichkeit, bis 2028 ihre Perspektiven, Ideen und Wünsche für das Greifswald von morgen einzubringen.
Etwa 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner über 16 Jahre mit Hauptwohnsitz in Greifswald wurden durch die Einwohnermeldebehörde mit Hilfe einer speziellen Software ausgelost und angeschrieben. Rund 170 meldeten sich zurück.
Aus diesen Rückmeldungen erfolgte eine zweite geschichtete Auslosung. Nach dieser ist die Losversammlung nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Wohnort und Staatsangehörigkeit ein Abbild der Bevölkerung. Im Zukunftsrat wirken nun 28 Männer und 32 Frauen unterschiedlichen Alters aus allen Stadtteilen mit. Auch ein Pool für Nachrücker wurde gebildet.
Zukunftsrat-Mitglieder bestimmen Themen selbst
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmen selbst, welche Themen sie bearbeiten. Sie diskutieren in elf Sitzungen mit Hilfe moderner Gruppenmethoden und entwickeln gemeinsame Vorschläge. Eine Arbeitsgruppe steht ihnen mit Fachwissen zur Seite.
Die Ergebnisse werden der Bürgerschaft vorgelegt, die sie aufgreift und dazu Stellung nimmt. Eine transparente Öffentlichkeitsarbeit sorgt dafür, dass alle Greifswalderinnen und Greifswalder den Prozess mitverfolgen können. Die Universität Greifswald begleitet ihn wissenschaftlich. Der Zukunftsrat wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung, dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und dem Vorpommernfonds.
Menschen kaum miteinander in Kontakt
Nicht zuletzt durch die Veröffentlichung der Studie „Hinter den Fassaden. Zur Ungleichverteilung von Armut, Reichtum, Bildung und Ethnie in den deutschen Städten des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung sei ersichtlich gworden, was viele Greifswalderinnen und Greifswalder nach Meinung der Verwaltung unterstreichen würden: Aufgrund der räumlichen und sozialen Trennung der Stadtteile kommen Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen kaum miteinander in Kontakt. Konstruktive Diskussionen über unterschiedlichste Ansichten, ohne Lagerzuordnungen seien im öffentlichen Raum wenig wahrnehmbar.
Außerdem sei über Auseinandersetzungen der letzten Jahre deutlich geworden, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger und Bürger nicht verstanden, ernst- bzw. mitgenommen fühlten. „So entstand in Teilen der Stadtbevölkerung der Eindruck, dass politische Entscheidungen weniger danach ausgerichtet sind, was die Menschen in der Stadt tatsächlich bewegt“, stellt die Verwaltung fest.
Gleichwertige Teilnahme aller Beteiligten sichergestellt
In den Zukunftsrat-Veranstaltungen werden Methoden eingesetzt, die die gleichwertige Teilnahme aller Beteiligten sicherstellt, verspricht die Stadt Greifswald. Hierarchien würden aufgelöst, was zu einer offenen Kommunikation mit einer ausgewogenen Verteilung der aktiven Teilnahme führe. „Die interaktiven Elemente der Methoden schaffen eine positivere Gruppendynamik“, erklärt die Stadt.
Die Mitwirkenden des Zukunftsrates kommen in elf Sitzungen zusammen, um Informationen zu sammeln, Expertinnen und Experten zu hören, Debatten zu führen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Die Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern im Zukunftsrat ermöglicht laut Stadt „kreative und pragmatische Ansätze für komplexe lokale Probleme und Herausforderungen, die als Empfehlungen und Ergebnisse in Zwischenberichten und abschließenden Empfehlungen zusammengefasst werden“.
Nach Angaben der Stadtverwaltung wird der notwendige Verfahrensablauf für einen Grundsatzbeschluss der Bürgerschaft sowie die Einbeziehung aller Gremien, Fachausschüsse, Beiträte, Arbeitsgemeinschaften und Netzwerke über die Kanzlei der Bürgerschaft sichergestellt. Gleichzeitig werde über diese Schnittstelle innerhalb der Verwaltung organisiert, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zukunftsrates für die Treffen notwendige verfahrenstechnische Informationen bekommen, die sie in ihren Lösungsansätzen berücksichtigen müssten.
Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
keine Angabe
Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
keine Angabe